Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

2 in 1 – deutsche Version: 00 Schneider & Das Experiment

Zu meiner eigenen Überraschung habe ich in der vergangenen Woche tatsächlich zwei deutsche Filme gesehen. Da das so gut wie nie passiert, musste ich natürlich darüber berichten – vor allem, weil es sich um zwei Streifen handelt, deren Unterschiede extremer nicht sein könnten. Während es sich bei 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter um eine ziemlich abgedrehte Komödie von Helge Schneider handelt, beschäftigt sich Das Experiment mit einem sozialen Experiment, das aus dem Ruder gerät.

00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter

Vor kurzem haben eine Freundin und ich festgestellt: Entweder du magst Helge Schneider oder du kannst absolut nichts mit seinem Humor anfangen. Und selbst wenn du ein Fan bist, bedeutet das noch lange nicht, dass du von seinen Filme angetan bist.

Ich gehöre zu den Fans des Komikers und Kabarettisten, habe jedoch nie zuvor einen seiner Filme gesehen. Nun haben meine Arbeitskollegen in letzter Zeit des Öfteren darüber geredet und meine Kollegin hat mir kurzerhand 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter ausgeliehen, damit ich auch endlich mitreden kann.

Ich muss zugeben: Der Film hat meine Erwartungen zum Teil wirklich erfüllt. Da ich Schneiders Videos bei Facebook nun auch seit einer ganzen Weile verfolge, war mir von Beginn an klar, dass der Streifen keine durchgehend sinnvolle Handlung hat. Teilweise ist es gar nicht so einfach, dem Geschehen zu folgen, da sich Schneider nur wenig an die eigentliche Verfolgung der Story hält. Deshalb handelt es sich hierbei auch um einen Film, auf dessen Eigenartigkeit sich der Zuschauer unbedingt einlassen muss.

Nichtsdestotrotz: Mit seinen Charakteren und dem unvergleichlichen Humor, der ihm zueigen ist, hat Helge Schneider mich dennoch begeistern können. Da sind die ganz eindeutig improvisierten Dialoge, dann wiederum die offensichtlich schlecht dargestellten Gespräche, dann diese unfassbar einzigartige Mimik, die nur ein Schneider so fantastisch darstellen kann – und nicht zuletzt sind da diese von Schneider selbst dargestellten Charaktere, die dem Ganzen das gewisse Etwas verleihen.

Wenn Dr. Hasenbein zu seinem Patienten sagt: „Sie haben Krebs. Überrascht?“ und Nihil Baxter seine Skulptur mit den Worten „Mein Ein und Alles! Meine schöne Skulptur!“ anhimmelt, das sind die Momente, in denen der Helge-Schneider-Fan belohnt wird. Denn dann kann er den unverwechselbaren Humor genießen, der nur einem Menschen wie Helge Schneider innewohnt.

Quelle: YouTube-Channel „Universum Film“ (Stand: 19.02.2017)

Das Experiment

Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir Das Experiment damals in der Schule im Ethik-Unterricht gesehen haben, um den Film detailliert zu analysieren. Als eine Freundin und ich den Streifen am Freitagabend nun angeschmissen hatten, wusste ich noch, dass das soziale Experiment völlig außer Kontrolle gerät. Allerdings hatte ich nicht mehr in Erinnerung, dass einige Szenen dem Zuschauer wirklich an die Nieren gehen können.

In Das Experiment nehmen 20 Männer an einer Simulation teil, für die ihnen 4.000 DM geboten werden, wenn sie das Ganze abschließen. Dafür werden sie in zwei Gruppen eingeteilt – Wächter und Gefangene – und sollen das Leben im Gefängnis simulieren. Für die Gefangenen werden Regeln aufgestellt, die sie befolgen müssen. Bei Nichtbefolgung sind die Wächter gezwungen, ihnen Strafen aufzuerlegen. Dabei sollen die Wächter allerdings angemessen reagieren und dürfen keine Gewalt anwenden.

Das Experiment soll also zeigen, wie sehr die jeweiligen Teilnehmer sich ihren Rollen anpassen und wie sie sich dadurch verändern. Schnell zeigt sich, dass auf beiden Seiten der Zusammenhalt wichtig wird – während aber die Gefangenen vor allem durch Teamgeist versuchen, sich Respekt zu verschaffen, konzentrieren sich die Wächter auf Demütigung und nutzen ihre Macht aus.

Insbesondere Gefangener 77 (gespielt von Moritz Bleibtreu) versucht, sich von den Wächtern nicht unterbuttern zu lassen. Er geht sogar soweit, die Wächter zu provozieren, sie an der Nase herumzuführen – dafür allerdings muss irgendwann nicht mehr er selber, sondern der Rest der Gefangenen büßen. Die Spannung zwischen 77 und den Wächtern geht soweit, dass diese schließlich doch gewalttätig werden und vor nichts mehr zurückzuschrecken scheinen.

Das Drehbuch und insbesondere die Dialoge mögen die eine oder andere Schwäche haben, doch was sich hier zeigt, ist ein Bild, das vermutlich gar nicht so unrealistisch ist – insbesondere vor dem Hintergrund, dass der Film auf einem tatsächlich durchgeführten Experiment beruht, welches jedoch rechtzeitig abgebrochen wurde.

„Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht.“ Das Zitat von Abraham Lincoln scheint auf Das Experiment zuzutreffen: Gib den Versuchspersonen die Macht eines Wächters, der seine Rolle ernst nehmen soll und du erkennst, wie weit er geht, um sich seine Position zu bewahren. Das Interessante dabei: Nicht alle haben dieses Spiel mitgespielt – und das gilt für beide Gruppen. Der Streifen zeigt auch, dass sich nicht jeder der Masse anschließt, wenn er der Meinung ist, dass die Dinge falsch laufen.

Quelle: YouTube-Channel „ZahranicniTrailery04″ (Stand: 19.02.2017)

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