Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

3 in 1: Split, Hidden Figures, Amanda Knox

Es ist Freitagabend, etwa 11 Uhr. Während andere Menschen feiern, trinken, den Abend mit ihren Liebsten oder vielleicht auch Fremden verbringen, sitze ich vor meinem Laptop und starre seit ungefähr fünf Minuten auf das leere Dokument. Ich bin müde und mir will einfach keine sinnvolle Einleitung einfallen.

Aber ich habe mir fest vorgenommen, heute wenigstens noch ein paar Zeilen zu schreiben. Denn ich will euch von den Formaten erzählen, die mich in den vergangenen zwei Wochen am meisten beschäftigt habe. Zweimal war ich nämlich im Kino und konnte die große Leinwand genießen – und endlich habe ich auch einmal meine erste Dokumentation in diesem Jahr gesehen.

Auf zu den Kurzrezensionen!

Split

Auch zwei Wochen nach meiner Sichtung von Split bin ich noch immer hin und her gerissen. Warum? Weil der Film mich einerseits begeistert hat, mir andererseits jedoch einfach zu absurd vorkam.

Beginnen wir bei den positiven Aspekten: Der Ansatz von M. Night Shyamalan hat viel Potenzial. Ein Mann mit 23 Persönlichkeiten entführt drei Mädchen. Was danach geschieht, weiß keiner. Auch der Trailer gibt nicht zu viel her. Klar ist: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie diese Story ausgehen soll.

Mir gefällt also in jedem Fall die Thematik – auch der Spannungsbogen ist großartig. Die Story wird packend erzählt; im riesigen Kinosaal ist es zeitweise so still, dass uns das Knistern einer Popcorntüte aus der Trance gerissen hätte. Besonders loben muss ich auch James McAvoy: Der vor allem aus X-Men bekannte Schauspieler hat seiner Rolle eine nervenzerreißende Faszination verliehen. Die einzelnen Persönlichkeiten hat er perfekt auf den Punkt gebracht, jeder einzelnen konnte er ein anderes Leben einhauchen.

Doch da bin ich schon beim ersten Punkt: Natürlich wirkt es komisch, wenn ein erwachsener Mann einen neunjährigen Jungen spielt. Aber dass sich dadurch bei einem eigentlich als Horrorfilm ausgelegten Streifen humorvolle Momente entwickeln, zerstört die gesamte Spannung.

Auch muss ich zugeben, dass mir die Auflösung der Thematik einfach zu absurd war. Ich hatte zahlreiche andere Lösungen im Kopf, wie die Story hätte enden können – DIESES Finale war mir jedoch zu viel. Zu extrem, zu sehr Hollywood und in einigen Momenten zu vorhersehbar.



Quelle: YouTube-Channel „KinoCheck“ (Stand: 11.02.2017)

Hidden Figures

Neben La La Land habe ich mich auf die Sichtung von Hidden Figures zu Beginn des Jahres am meisten gefreut. Immerhin beschäftigt sich der Streifen mit drei starken Frauen, ohne die die NASA heute nicht einmal annähernd da wäre, wo sie ist. Drei starke Frauen, die jedoch lediglich aufgrund ihrer Hautfarbe weder respektiert noch wertgeschätzt werden – obwohl sie ihre Arbeit besser machen als alle weißen Frauen und Männer bei der NASA zusammengenommen.

Hidden Figures erzählt eine wunderbar hoffnungsvolle und zugleich teils tragische Geschichte, die nicht zuletzt aufgrund herausragender Schauspieler eine Emotionalität erschafft, die jeden einzelnen im Kinosaal mitgerissen hat. Das Schöne an der Geschichte? Katherine (Taraji P. Henson), Dorothy (Octavia Spencer) und Mary (Janelle Monáe) geben nicht auf. Sie kämpfen für ihre Karriere, für ihre Träume. Und dadurch kämpfen sie gleichzeitig für alle schwarzen Frauen. Sie sorgen aufgrund ihrer Hartnäckigkeit, ihres Durchhaltevermögens, ihrer Intelligenz und ihres Talents dafür, dass sich etwas ändert – dass die Weißen, die sie vorher so abschätzig behandelt haben, zu schätzen wissen.

Und das ist längst nicht alles. Denn Hidden Figures zeichnet nicht nur ein authentisches und gefühlvolles Bild der Vergangenheit, es bietet uns auch wunderbaren Humor. Keine der drei Frauen nehmen ein Blatt vor den Mund, was für die Menschen um sie herum durchaus in peinlichen Szenarien enden kann. Dem Publikum vor der Leinwand dagegen hat es die größten Lacher beschert.

Ebenso wunderbar ist, dass dieser Streifen den Fokus nicht verliert. Natürlich wird zwischendurch von Liebe, von Familie und von den Opfern erzählt, die sie aufgrund ihrer Hautfarbe und aufgrund ihres Kampfes gegen die Ungerechtigkeit bringen müssen. Aber immer wieder kehrt der Streifen zurück zu diesen einzigartigen Frauen und dem großen Geschenk, dass sie der Welt gemacht haben.

Quelle: YouTube-Channel „KinoCheck“ (Stand: 11.02.2017)

Amanda Knox

Vergangene Woche habe ich mal Netflix durchforstet und bin auf die Inhouse-Produktion „Amanda Knox“ gestoßen. Wer kennt sie nicht, die junge Amerikanerin, die als Verdächtige in einem Mordfall von den Medien förmlich zerrissen wurde?

Um ehrlich zu sein, habe ich die Story von Amanda Knox nie bewusst verfolgt – ich wusste nur noch, dass sie in zahlreichen Zeitungen als der Todesengel mit den eisblauen Augen bezeichnet wurde. Und dann? Dann sitzt da direkt zu Beginn der Dokumentation eine junge Frau vor mir: etwa Ende 20, kinnlanges mittelblondes Haar und ganz gewöhnliche hellblaue Augen. Und sie beginnt, ihre Geschichte zu erzählen.

Er ist anders, dieser Ansatz der Produktion: Nicht nur Amanda Knox wird befragt, auch ihr damaliger Liebhaber Raffaele Sollecito sowie der Polizist und Hauptkläger Giuliano Mignini tragen ihre Meinung kund. Ebenso der Journalist Nick Pisa, welcher zu großen Teilen am medialen Aufruhr um diesen Mordfall verantwortlich war. Mit all diesen „Figuren“ wirkt das Ganze in manchen Momenten fast wie ein Drama, eine filmische Tragödie. Das Format spielt mit den Emotionen des Zuschauers – und teils auch ein wenig mit unserem Verstand.

Interessant ist auch, dass sich das Format zwar mit dem Mordfall um Meredith Kercher beschäftigt; der Fokus liegt jedoch vor allem in der Art, wie mit der gesamten Thematik umgegangen wurde – dabei werden sowohl die nationalen und internationalen Medien als auch die italienischen Polizei in die Mangel genommen.

Tatsache ist: Alle Fakten sprechen gegen Knox als Verdächtige; insbesondere die zahlreichen Spuren eines einzelnen Mannes sorgen dafür, dass sie freigesprochen wird. Meine Meinung ist also gefestigt: Amanda Knox kann es (eigentlich?) nicht getan haben, sie wurde von der Polizei und den Medien gleichermaßen manipuliert. Ein kleiner Teil von mir sagt sich aber immer wieder: Ein bisschen merkwürdig wirkt Knox aber doch – als wäre das Bild, was sie von sich selbst zeichnet, zumindest zu einem gewissen Teil nur vorgetäuscht. Ist das die Dokumentation, die mich wiederum manipuliert? Oder hat Amanda Knox vielleicht uns alle manipuliert? Fest steht: Ich bin noch verwirrter als zuvor.

Quelle: YouTube-Channel „Netflix US & Canada“ (Stand: 11.02.2017)

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