Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

Das erste Mal: Die eigene Wohnung

Sechs Wochen. Ganze sechs Wochen wohne ich nun schon in meiner neuen Wohnung. Allein. Ohne Partner, ohne Mitbewohner. Das allererste Mal.

Wie es überhaupt erst so spät dazu gekommen ist?

Bis zu meinem 18. Lebensjahr habe ich – gemeinsam mit zwei Geschwistern – natürlich bei meiner Familie gewohnt. Zu Beginn des Studiums bin ich kurzentschlossen bei meinem damaligen Freund eingezogen. Nach einer einjährigen Fernbeziehung logischerweise eine völlige Fehlentscheidung; aber was tut man nicht alles in so jungen Jahren.

Nachdem diese kurze Beziehung also in die Brüche ging, habe ich mich dazu durchgerungen, zu fremden Menschen in eine schon bestehende WG zu ziehen. Während meiner knapp zweieinhalbjährigen Zeit dort haben die Mitbewohner einmal komplett gewechselt: Habe ich zu Beginn noch mit einem Mädel und einem Kerl zusammengewohnt, waren wir am Ende eine reine Mädchen-WG.

Überraschenderweise haben sich keine der typischen Klischees bestätigt – der Putzplan wurde (weitestgehend) eingehalten, die Badzeit hat niemand zu lang ausgereizt und statt Hugo und Sekt haben wir uns viel öfter die Abende auf unserem Balkon mit Bier versüßt.

Eine gelungene Zeit also, die ich nur deshalb beendet habe, weil mein Studium vorüber war und ich gemeinsam mit meinem Freund nach Köln gezogen bin. Vier Jahre lang haben wir zusammen in zwei verschiedenen Wohnungen gelebt. Vier Jahre, die so einige Streitigkeiten und Probleme mit sich gebracht haben, die jedoch viel, viel öfter schlicht und ergreifend wunderschön waren. Bis die Beziehung im Sommer dieses Jahres in die Brüche ging.

Und jetzt?

Tja, jetzt lebe ich zum ersten Mal ganz allein in meiner eigenen Wohnung. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel Angst ich davor hatte – und teilweise immer noch habe, wenn ich an fehlende Versicherungen, künftige Heizkostenabrechnungen oder einen vergessenen Schlüssel denke.

Für mich ist das ein verdammt großer, aber doch nötiger Schritt gewesen. Ich hab zuvor immer gedacht, ich wäre nicht der Typ fürs alleine Wohnen. Klar, wie (fast) jeder Mensch benötige ich meine Zeit nur für mich. Dennoch bin ich ein Mensch, der zumindest die Möglichkeit haben möchte, sich auch spontan in die Gesellschaft anderer Menschen zu begeben, wenn mir gerade danach ist.

Wenn du aber allein wohnst, wohnst du allein. Sofern nicht deine Freunde im Haus nebenan leben oder du unter deinen Nachbarn einen Best Buddy gefunden hast, bist du eben allein.

Und davor hatte ich große Angst. Vor allem nach einer Trennung.

Denn was macht man, wenn man freitagabends allein in der eigenen Wohnung sitzt, weil kein Freund Zeit hat? Was macht man, wenn man sonntags allein aufwacht, allein isst, allein auf dem Sofa rumlümmelt?

So schlimm, wie ich immer befürchtet hatte, war es allerdings bei weitem nicht. Natürlich habe ich Tage, an denen ich das Alleinsein verabscheue. An denen ich ein wenig in meiner Einsamkeit verzweifle.

Die meisten Tage jedoch geht es langsam bergauf. Ich gewöhne mich daran, mich mit mir selbst zu beschäftigen und das als sinnvoll genutzte Zeit zu sehen. Vermutlich hat es sich positiv ausgewirkt, dass ich schon zuvor viele Dinge allein unternommen habe – und sei es nur das Serien gucken oder Schreiben oder Zeichnen. Es hat in jedem Fall geholfen, die Zeit mit mir allein als entspannt zu empfinden.

Wie es jetzt weitergeht?

In jedem Fall damit, dass ich die Trennung verarbeite, da diese mich logischerweise nach einer sechsjährigen Beziehung vergleichsweise schwer getroffen hat. Und auch damit, dass ich lerne, die Zeit mit mir allein nicht nur als sinnvoll anzusehen, sondern soweit zu lieben, dass ich weiß, dass ich auch mit mir selbst Spaß haben kann.

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