Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

Sport und ich: Eine ausgeprägte Hassliebe

Eigentlich habe ich Sport seit eher geliebt. Und eigentlich auch seit jeher gehasst. Ich mag solchen Sport, wo der Spaß im Vordergrund steht und mich vergessen lässt, wie anstrengend das alles gerade ist. Tanzen zum Beispiel, Kampfsport, Badminton oder einfach stundenlang wandern. Das sind Sportarten für mich.

Schulsport dagegen habe ich immer gehasst. Absolut, komplett, durchgehend gehasst. Und Sportfeste. Mir läuft noch heute ein Schauer über den Rücken, wenn ich daran denke.

Und trotzdem habe ich Sport gemacht, seit ich denken kann. In Kindergarten und Grundschule ein bisschen Schwimmen, anschließend Tanzen, dann für zwei Jahre zeitgleich auch Karate. Mit Beginn der fünften Klasse und dem Abschied meiner damaligen Tanzlehrerin habe ich mich nur noch dem Kampfsport gewidmet. Training zweimal die Woche. Ich habe es geliebt. Sportunterricht einmal die Woche. Was für eine Qual.

Bis ich dann nach dem Abitur rund 500 km weit weggezogen bin und damit auch meinen Verein hinter mir gelassen habe. Sport im Studium? Absolut gar nicht. Deshalb habe ich während dieser drei Jahre, in der Fast Food, Fertiggerichte, Cola und Eistee meine Grundnahrung gebildet haben, ohne Mühe acht Kilo zugenommen. Acht Kilo. Das führe sich mal einer vor Augen. Und das bei meiner Größe.

Nach Ende des Studiums und mit dem Einstieg in das Berufsleben habe ich allerdings langsam begonnen, mich wieder mehr um meinen Körper und meine Gesundheit zu kümmern. Die Fertiggerichte wurden soweit heruntergeschraubt, dass ich heute höchstens mal für die Arbeit eine Suppe oder Fertigsalate kaufe. Übrigens: Allein durch die Ernährungsumstellung habe ich im vergangenen Jahr wieder sieben Kilo verloren und kann mein Gewicht wirklich gut halten.

Und das, obwohl ich auf nichts verzichte. Wer mir die Schokolade wegnimmt, der wird leider zum Staatsfeind Numero Uno.

Auch habe ich wieder begonnen, Sport zu machen. Das war allerdings äußerst schwierig. Zwar wird mir Shotokan-Karate immer am Herzen liegen, aber irgendwie hatte ich in den vergangenen Jahren keine Lust auf das Training. Stattdessen habe ich mich im Joggen versucht und bin mehrmals kläglich gescheitert.

Anschließend habe ich mich für zwei Jahre im Fitnessstudio eingeschrieben. Das hat zu Beginn erstaunlich gut funktioniert. Bis ich gemerkt habe, dass ich absolut keine Disziplin darin habe, an einem Sonntagmorgen meinen Hintern von der Couch zu bewegen und zum Body-Combat-Kurs zu gehen. Also war es Zeit für den persönlichen Trainingsplan.

Damit allerdings war es Anfang dieses Jahres vorbei. Ich habe einfach erkannt, dass ich mich jedes einzelne Mal ins Studio quälen muss. Und oft genug Ausreden gefunden, warum es gerade heute mal wieder nicht klappt. Und für diese fehlende Disziplin war mir das Ganze einfach zu teuer. Also habe ich meinen Vertrag gekündigt.

Zwischenzeitlich und auch danach habe ich gefühlt etwa 573498 verschiedene Dinge probiert. Unzählige Videos auf YouTube haben mir dabei immer für ein paar Wochen geholfen. Aber nichts habe ich wirklich durchziehen können, weil ich schon nach kurzer Zeit an den Punkt gelangt bin, an dem es für mich einfach nur eine Qual war.

Bis jetzt. Denn vor einigen Tagen habe ich mich ein wenig bei YouTube umgeschaut und eine 30-Day-Yoga-Challenge für Anfänger gefunden. Bisher war ich ja immer der Meinung, dass das absolut nichts für mich ist. Zu wenig Power, zu viel „Wir atmen jetzt durch unseren Beckenboden“. Tja, falsch gedacht, Würstchen.

Yoga ist überraschend anstrengend und trotzdem überraschend entspannend. Ich habe mich selten nach einer Sporteinheit so gut gefühlt wie nach diesen Videos. Was größtenteils daran liegen mag, dass hier zu jeder Zeit auf eine ausgeglichene Atmung und das eigene Wohlgefühl geachtet wird. Und wir am Ende jeder Einheit einfach nur die Augen schließen, atmen und an nichts anderes außer an uns selbst denken.

Heute habe ich den dritten Tag der 30-Day-Challenge hinter mir und freue mich unheimlich, morgen die nächste Einheit in Angriff zu nehmen. Denn Ziel Nummer 1 ist: Endlich mal etwas durchziehen. Ziel Nummer 2: Damit hoffentlich eine Sportart gefunden zu haben, die mir wirklich gut tut und gleichzeitig Spaß macht. Ich fühle mich nach den Einheiten nämlich nicht nur wohler, sondern habe auch das Gefühl, dass es meinem kaputten Rücken wirklich gut tut.

Warum ich all das hier überhaupt schreibe? Drei Gründe:

1. Wenn ich euch regelmäßig über meine Fortschritte bei der Challenge informiere, glaube ich, so meine Disziplin aufrecht zu erhalten. Versage ich vor euch, versage ich auch vor mir selbst. Ganz einfach.

2. In den vergangenen Wochen habe ich gemerkt, wie gut es mir tut, mir einfach mithilfe des Blogs ein paar Dinge von der Seele zu schreiben. Vor allem, wenn ich dann merke, dass es einigen von euch ähnlich geht. Und immerhin ist das hier auch ein „piece of emotion“.

3. Vielleicht stecken ja einige von euch in einer ähnlichen Situation; wissen nichts mit Sport anzufangen oder wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Und vielleicht kann ich denen Mut machen, die ebenso wie ich manchmal ein bisschen verzweifeln.

Eventuell finden sich unter euch ja Interessierte, die es ebenfalls einmal mit der 30-Day-Yoga-Challenge probieren möchten. Das Ganze ist für Anfänger – glaubt mir, sonst hätte ich mich da nicht herangewagt. Falls es einer von euch probiert, würde ich gerne von euch hören, wie es euch damit ergeht!

Und für alle, die ihren Sport noch nicht gefunden haben: Nicht verzweifeln, irgendwo da draußen ist er und wartet auf euch :) Und wenn ihr eigentlich gar keinen Sport machen wollt, auch gut. Die Hauptsache ist, ihr seid glücklich!

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