Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

Wer bin ich eigentlich?

Stell dir vor, du gehst auf eine Party. Eine Party, bei der du nur wenige Menschen kennst. Du stehst also da, mit einem Drink in der Hand, als ein Fremder auf dich zukommt. Er lächelt dich an und fragt:“Hey, wer bist du?“ Du antwortest mit deinem Namen und kurz kommt ihr ins Gespräch über die Leute, die ihr beide auf der Party kennt. Schnell ist das Thema ausgeschöpft und es tritt eine leicht unangenehme Stille ein. Da fragt dich dein Gegenüber: „Und… was machst du so?“ Vermutlich erzählst du ihm nun von deinem Beruf, weil das wahrscheinlich die Antwort ist, die erwartet wird. Aber ist es wirklich die passende?

Warum ich mir darüber überhaupt Gedanken mache? Weil ich mich in jüngster Zeit des Öfteren mit dieser Frage beschäftigt habe. Besonders vor kurzem, als ich befürchtete, dass zwei meiner weiblichen Buchcharaktere sich eventuell zu ähnlich sind. Wahrscheinlich, weil sie meiner Denkweise zu sehr ähneln. Dann habe ich darüber nachgedacht, worüber ich die beiden Charaktere definiere. Und irgendwie haben es meine verrückten Hirnwindungen geschafft, dass ich mir selbst die Frage stelle: Worüber definiere ich mich?

Und dann konnte ich nicht mehr aufhören, darüber nachzudenken.

Denn wann beschäftigen wir uns eigentlich mit uns selbst (außer, wenn wir die typischen Fragen in einem Bewerbungsgespräch beantworten müssen)? Denken die meisten von uns überhaupt einmal in ihrem Leben darüber nach, wer sie sind und worüber sie sich definieren? Und benötigen wir vielleicht die Erkenntnisse aus der Fragenbeantwortung, um ein richtiges Selbstbewusstsein aufzubauen?

Ja, manchmal habe ich so philosophisch-verrückte Momente, in denen mich genau solche Gedankengänge bewegen. Immer und immer wieder blieb ich dabei in den letzten Wochen eben an dieser einen Frage hängen: Worüber definiere ich mich?

Definiere ich mich über meinen Job? Über meine Hobbies, meine Vorlieben und meine Abneigungen? Doch welcher Mensch bleibt übrig, wenn genau diese Sachen wegfallen?

Definiere ich mich stattdessen über meine Eigenschaften? Aber bin ich mir meiner Eigenschaften überhaupt bewusst? Weiß ich wirklich, dass ich ungeduldig, dafür aber ein guter Zuhörer bin? Weiß ich, dass ich meistens freundlich bin, aber manchmal verdammt zickig werden kann? Oder „weiß“ ich all das über mich nur, weil es mir andere Menschen gesagt haben?

Definiere ich mich deshalb über die Meinungen, die andere über mich haben? Aber können diese Meinungen überhaupt neutral sein? Würde mich ein Freund vielleicht als stark und selbstbewusst bezeichnen, während mich ein „Feind“ als schüchtern und schwach sieht?

Definiere ich mich vielleicht über die Menschen, mit denen ich mich umgebe? Definiere ich mich über meinen Partner und meine Freunde, die ich wähle?

Wenn ich nicht weiß, worüber ich mich definiere…. weiß ich dann, wer ich bin?

Aber vielleicht definiere ich mich einfach über all diese Dinge? Vielleicht wird aus mir dann der Mensch, der ich bin, wenn ich mich über meinen Job als Texter, meine Vorliebe für Disneyfilme, meine Abneigung gegen Krieg und Kokosnuss, meine meist freundliche, aber manchmal doch flapsige Art und die wundervollen Menschen in meinem Leben definiere?

Aufgrund dieser Definition könnte ich jetzt Folgendes über mich schreiben:

Juli. Texterin. Schreiberin aus Leidenschaft. Pazifistin. Feministin. Lieber Links als Mitte. Liebt Serien ein bisschen mehr als Filme. Vergöttert Disney, Game of Thrones, Doctor Who und Tim Burton. Verabscheut Actionfilme, Oliven, Lakritze und Kokosnuss. Kann sich für schwarzen Humor, Low-Fantasy, unkitschige Dramen und Thriller begeistern. Gut im Zuhören, Reden, Organisieren und viele Gedanken machen. Schlecht im Geduldüben, im Dinge sein lassen, im Technikprobleme lösen und im Lügen. Partner eines einmaligen Mannes und Freundin einiger wunderbarer Menschen.

Natürlich gäbe es noch 34178924 andere Dinge, die ich über mich sagen könnte. Aber wo hört das Definieren auf und wo fängt das reine Beschreiben an? Definiert mich beispielsweise die Schublade Pazifistin oder ist es nur ein reines Attribut?

Und wisst mir, was mich im gleichen Atemzug beschäftigt: Wissen andere Menschen vielleicht mehr über mich als ich selbst? Denn, wenn jemand zu mir sagt „Ach, der Horst kommt gleich vorbei.“, dann habe ich direkt ein Bild von Horst vor Augen (wenn ich einen Horst kennen würde. Sorry, Horst.), dann weiß ich sofort, was mich erwartet, wenn ich Horst treffe. Aber genau dieses Bild habe ich von mir selbst nicht. Liegt es daran, dass wir uns zu wenig mit uns selbst beschäftigen? Oder liegt es vielleicht daran, dass wir uns eben einfach viel zu schwer damit tun, uns selbst zu definieren?

Aber vielleicht fällt es nur mir schwer? Was ist mit euch? Über welche Dinge definiert ihr euch? Und habt ihr euch darüber überhaupt schon einmal Gedanken gemacht?


 

Yas, endlich ein zweites Thema, das meiner Idee vom neuen Blog entspricht. Ich habe mich ein wenig vor dem Schreiben dieses Textes gedrückt, weil ich mir nicht sicher war, ob das euch überhaupt interessiert, da es ja schon sehr philosophisch-psychologisch angehaucht ist. Aaaber ich wollte trotzdem. Also: Wenn ihr mögt, dann gebt mir ein Feedback! Immerhin wisst ihr jetzt vielleicht ein kleines bisschen mehr über mich.

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