Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

Twenties Girl: Die 1920er sind zurück

Es gibt Bücher, bei denen man glaubt zu wissen, was in ihnen steht – also geht man mit einer gewissen Vorahnung und Leichtigkeit an sie heran. Dann jedoch erwischen dich die Geschichten mithilfe weniger Worte auf dem falschen Fuß und eröffnen dir plötzlich einen völlig anderen Blick. Ungefähr so erging es mir mit Sophie Kinsellas Twenties Girl: Ich hatte eigentlich einen seichten Liebesroman für zwischendurch erwartet, doch bekommen habe ich eine humorvolle Geschichte mit viel Gefühl und großartigen Charakteren.

Inhalt

Charleston Girl - Sophie Kinsella / © Goldmann Verlag

Charleston Girl – Sophie Kinsella / © Goldmann Verlag


Lara Lingtons Leben scheint völlig aus den Fugen zu geraten: Ihr Freund Josh hat grundlos mit ihr Schluss gemacht, ihre beste Freundin Natalie hat sie mit der gemeinsamen Agentur sitzen gelassen und ihre Familie ist das größte Chaos von allen. Zu allem Überfluss muss sie auch noch zur Beerdigung ihrer Großtante Sadie, die sie noch nie zuvor getroffen hat. Allerdings weiß Lara nicht, dass dieses Ereignis ihr Leben auf den Kopf stellen wird: Als junge Dame in ihren Zwanzigern und ganz in Charleston-Mode gekleidet, erscheint ihr Sadies Geist. Und das nicht ohne Grund – Lara soll eine bestimmte Halskette für ihre Großtante finden, während diese ein letztes Mal ihr Leben in vollen Zügen genießt…

Kritik

Sophie Kinsella hat mich mit Twenties Girl davon überzeugt, dass Frauenromane durchaus entspannt sein können und nicht mit jeder Seite dem Traumprinzen näher auf die Pelle rücken müssen. Natürlich, das Ende des Buches ist vorhersehbar, aber den Weg dorthin habe ich auf überraschend schwungvolle Weise beschreiten dürfen. Die deutsche Übersetzung dieses Werkes nennt sich übrigens Charleston Girl – wie gut diese Fassung ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Lara und Sadie

Lara Lington und Sadie Lancaster sind die Hauptfiguren dieses Romans – und passen dort wunderbar hinein. Während Lara aufgrund ihrer tollpatschigen Art von einem Unglück ins nächste stürzt und sich des Öfteren vollends blamiert, macht Sadie sich einen Spaß aus den Fehlern der Menschen und manipuliert sie, wo sie nur kann – Hauptsache ist, dass sie sich vergnügen konnte. Doch so, wie sich Lara in Hinblick auf ihr berufliches Können und auf die Männer weiter entwickelt, so gewährt auch Sadie ab und an einen Blick hinter ihre freche Schale.

1920er vs. 2000er

Die Kurzweiligkeit des Buches beruht allerdings nicht nur auf den amüsanten Szenen, welche durch die grundverschiedenen Charaktere geprägt werden – auch der unerwartete Zusammenprall zwei modischer und musikalischer Jahrzehnte treibt die Handlung voran. So ist Sadie die Kleidung sowie das Make-Up der 2000er zuwider und auch an den heutigen Tanzschritten findet sie absolut keinen Gefallen. Lara hingegen fühlt sich wie ein kunterbunter Pfau, als sie sich in einem Charleston-Kleid und dem – unter Sadies Anleitung – stark geschminkten Gesicht in die Öffentlichkeit traut. Nicht nur einmal hat der unübersehbare Spalt zwischen den Jahrzehnten Auswirkungen auf Lara und ihre Umgebung.

Fazit

Twenties Girl ist ein großartiger Roman, den ich innerhalb von zwei Wochen verschlungen habe – Grund genug, weitere Werke von Sophie Kinsella zu lesen!

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