Pieces of Emotion

Bücherwurm, Serienfreak & Schreiberling

Ein ganzes halbes Jahr: Das Leben plötzlich auf den Kopf gestellt

Eintönige Aufgaben, endlos lange Autofahrten, Einschlafprobleme: Wir alle erleben viel zu oft Momente, die so öde sind, dass wir wünschten, wir hätten sie schon längst hinter uns gebracht. Wie angenehm ist es da, wenn man sich diese Zeit verschönern kann – ich für meinen Teil höre beispielsweise sehr gern Hörbücher. Sie erzählen mir spannende Geschichten, für die ich in dem Augenblick keine Zeit habe, um sie selber zu lesen. Eine dieser Geschichten nennt sich Ein ganzes halbes Jahr und wurde von der Autorin Jojo Moyes verfasst.

Inhalt

Louisa Clark hat es nicht gerade leicht: Mit 27 Jahren lebt sie in der Abstellkammer im Hause ihrer Eltern, ihr langjähriger Freund Patrick verschwendet seine Gedanken nur noch an Sport und zu allem Überfluss wurde ihr der Job im Café gekündigt – das Einzige, woran sie Spaß hatte. Also muss Lou eine neue Tätigkeit finden und wird prompt als Betreuerin des stets schlecht gelaunten Tetraplegikers Will eingestellt. Nun hat sie sechs Monate Zeit, den jungen Mann von der Schönheit des Lebens zu überzeugen…

Kritik

Jojo Moyes hat mich mit Ein ganzes halbes Jahr völlig überrascht. Als ich das Cover des Buches sah, hatte ich angenommen, nur einen seichten Liebesroman zu hören. Aber bei dieser Geschichte geht es um viel mehr und sie ist deutlich tiefsinniger, als sie auf den ersten Blick scheint.

Eine tiefe Freundschaft und ihre Bedeutung

© Argon Verlag - "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

© Argon Verlag – „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes

Die meisten Menschen nehmen nach Lesen des Klappentextes sicher an, dass sich zwischen Lou und Will die üblich vorhersehbare Liebe entwickelt. Natürlich empfinden die beiden Protagonisten nach einiger Zeit romantische Gefühle füreinander – aber es ist viel mehr als das. Zwischen Will und Lou entsteht eine wunderbare und tiefgründige Freundschaft, die nicht zuletzt daher rührt, dass Lou keine Mühen scheut, um Will einmal lächeln zu sehen.

Darüber hinaus zeigt dieses bittersüße Werk, wie schwer es Tetraplegiker haben: Arme und Beine sind (manchmal gar komplett) gelähmt, sie können nichts mehr ohne fremde Hilfe erledigen und die meisten Tätigkeiten, die für gesunde Menschen selbstverständlich sind, fallen weg. Darüber hinaus sind es zahlreiche oberflächliche Freunde, die sich nach einem so schweren Unfall komplett abwenden.

Das angenehme Hörbuch

Das Hörbuch hat mir etliche Arbeitsstunden versüßt; es erzählt eine unheimlich interessante Geschichte, die wie aus dem Leben gegriffen scheint. Und das Ende des Werks hat mich zum ersten Mal in meinem Leben wünschen lassen, dass es doch kitschiger ausgehen möge. Besondere Bewunderung gilt an dieser Stelle Luise Helm, die den Großteil des Buchs vorgelesen und mich mit ihrer angenehmen Stimme völlig für sich eingenommen hat.

Kleiner Kritikpunkt

Ich kann sagen, dass ich mit dem Hörbuch rundum zufrieden war: Es hatte Witz und Emotionen, es war nicht zu kitschig und es hat mich stellenweise tief berührt. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass es vielleicht ein bis zwei Kapitel aus der Sicht von Will gäbe, in denen seine Sicht auf die Dinge etwas besser dargestellt würde.

Fazit

Ein ganzes halbes Jahr hat mich durch zahlreiche Stunden, die von eintöniger Arbeit geprägt waren, gebracht – es bietet eine angenehme Geschichte und ein für mich definitiv interessantes Ende.

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Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr
14 Stunden, 45 Minuten/ 12 CDs
Erschienen Oktober 2013 im Argon Verlag
Aus dem Englischen übersetzt von Karolina Fell
Gelesen von Luise Helm und Ulrike Hübschmann
ISBN 978-3-8398-1311-9

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